Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft

Die von der Projektgruppe „Politikfeld Internet“ koordinierte Bewerbung um das vom BMBF ausgeschriebene „Deutsche Internet-Institut“ war erfolgreich. Der Berlin-Brandenburger Verbund, dem neben dem WZB die vier Berliner Universitäten – Freie Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin, Universität der Künste Berlin und Technische Universität Berlin – sowie die Universität Potsdam und das Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS) angehören, erhielt den Zuschlag für das für die ersten fünf Jahre mit 50 Millionen Euro geförderte Verbundprojekt. Im Mittelpunkt der Arbeit des „Weizenbaum-Instituts für die vernetzte Gesellschaft“ steht die interdisziplinäre Erforschung der Wechselwirkungen zwischen Digitalisierung und Gesellschaft. Hierzu werden 80 neue Forschungsstellen geschaffen. Das Weizenbaum-Institut hat Mitte September 2017 seine Arbeit aufgenommen.

An die Forschungsgruppe Politikfeld Internet sind die Forschungsgruppen „Demokratie und Digitalisierung“ und „Quantifizierung und gesellschaftliche Regulierung“ des Weizenbaum-Instituts angebunden.

Website des Weizenbaum-Instituts für die vernetzte Gesellschaft

Aktuelle Stellenausschreibungen am Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft

Ansprechpartnerin: Iris Cseke

Forschungsgruppe “Demokratie und Digitalisierung” am Weizenbaum-Institut

Ziel der Forschungsgruppe „Demokratie und Digitalisierung“ ist es, die Wechselbeziehung zwischen Digitalisierung und demokratischer Selbstbestimmung zu untersuchen. Es wird erforscht, wie sich demokratische Gesellschaften digitale Technologien aneignen und sie entwickeln, vor allem aber, wie sich Demokratie selbst im Prozess von Digitalisierung wandelt und wie dies wiederum demokratietheoretisch zu reflektieren ist. Im Fokus der Forschungen liegen Veränderungen im Feld von Grund- und Menschenrechten, von politischer Partizipation und von demokratischer Öffentlichkeit. So wird im Bereich der Rechtsentwicklung gefragt, inwiefern in Reaktion auf Digitalisierung grundlegende demokratische Rechte konzeptionellen Wandel ausgesetzt sind, ob und wie sich grundrechtliche Schutzbereiche durch emergente Eingriffs- und Gefährdungsszenarien verschieben und inwieweit Grundrechte neu gefasst werden müssen. In Bezug auf  politische Partizipation geht es etwa um die Frage, wie sich individuelle und kollektive Handlungsfähigkeit wandeln und wie dieser Wandel demokratietheoretisch zu bewerten ist. Im dritten Untersuchungsfeld, dem Wandel von Öffentlichkeit(en), geht es vorrangig um die algorithmische Selektion von Informationen und deren Verbreitung im Kontext privatwirtschaftlich organisierter, globaler Plattformen. Inwieweit können und müssen Demokratien ‘ihre’ Öffentlichkeiten strukturieren und moderieren.

Website der Forschungsgruppe "Demokratie und Digitalisierung"

Ansprechpartner: Dr. Thorsten Thiel

Forschungsgruppe “Quantifizierung und gesellschaftliche Regulierung” am Weizenbaum-Institut

Die Forschungsgruppe „Quantifizierung und gesellschaftliche Regulierung” erforscht, ob sich Regulierung durch den Einsatz von Computertechnologien verändert und, wenn ja, wie. In gegenwärtigen Gesellschaften durchdringen digitale Technologien Regulierungsprozesse auf allen Ebenen: Die individuelle Lebensführung ist zunehmend durch technologiegestützte Selbstregulierung mit Geräten wie Wearables und Smartphones geprägt; Organisationen setzen vermehrt automatische, auf Big Data und Künstlicher Intelligenz basierende Entscheidungssysteme ein, um Arbeitsprozesse zu optimieren. Auch Staaten beginnen allmählich, digitale Instrumente des Regierens einzusetzen, etwa automatische Software, um die Rückfallwahrscheinlichkeit von Straftätern vorherzusagen, Predictive-Policing-Systeme oder Social-Credit-Scores. Um diese neuen Formen der Regulierung analytisch zu erfassen und ihre demokratischen Implikationen zu beurteilen, untersuchen wir, wie Informationen gesammelt, Standards definiert und Verhaltensweisen beeinflusst werden. Die Forschungsgruppe bezieht sich auf die Forschungsfelder der Governance Studies, der Soziologie der Quantifizierung, Bewertung und Klassifizierung, der Science and Technology Studies sowie der Kritischen Informatik. Ziel des Projekts ist es, zur Theoriebildung beizutragen und Alternativen zu gegenwärtigen Diskursen und Praktiken aufzuzeigen.

Website der Forschungsgruppe "Quantifizierung und Regulierung"

Ansprechpartnerin: Dr. Lena Ulbricht

Institutionalisierung netzpolitischer Zuständigkeiten

Um zu verstehen, ob sich derzeit ein neues Politikfeld "Internetpolitik" ausprägt, untersuchen wir die Institutionalisierung von Internetpolitik in Bundesministerien und Verbänden. Anhand der Organigramme ausgewählter Ministerien analysieren wir daher die Entwicklung netzpolitischer Zuständigkeiten, indem wir die Entstehung relevanter Organisationseinheiten rekonstruieren. In Ergänzung der Organigramm-Forschung führen wir biographische Interviews mit leitenden Beamten, die uns helfen, die Entwicklung der Internetpolitik in den jeweiligen Häusern zu verstehen.

Im ersten Schritt beschäftigen wir uns mit den drei für die Digitale Agenda zuständigen Bundesministerien, dem Bundesministerium des Inneren (BMI), dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) und dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVi). Eine Erweiterung auf andere Ministerien und ausgewählte Bundesagenturen wird in einem zweiten Schritt folgen.

Ansprechpartner: Ronja Kniep und Dr. Julia Pohle

Assessing Big Data (ABIDA)

Die Projektgruppe beteiligt sich mit Partnern von fünf Universitäten am Projekt „Assessing Big Data“ (Website des Verbundprojekts). Das Projekt erforscht die Entwicklung und Nutzung von Big Data und teilt sich hierfür in fünf disziplinäre Arbeitskreise: Ethik, Rechtswissenschaft, Soziologie, Politikwissenschaft und Wirtschaftswissenschaft. Am WZB wird der politikwissenschaftliche Zugang zum Thema entwickelt: Dabei verstehen wir Big Data als Regulierungsressource und als Regulierungsgegenstand, mit einem besonderen Blick auf die Machtbeziehungen, die sich um Big Data herausbilden. In diesem Kontext analysieren wir zum einen den Wandel von Wissen, Deutungen und Diskursen als Folge oder Ausprägung von Big Data. Zum anderen werden die institutionellen Rahmenbedingungen und Akteure, die für die Entwicklung von Big Data relevant sind, herausgearbeitet.

Mehr Informationen sind zum Download verfügbar.

Ansprechpartnerin: Dr. Lena Ulbricht

Internetpolitik in Studium und Lehre

Die Projektgruppe Politikfeld Internet möchte die Digitalisierung als sozialwissenschaftlichen Forschungsgegenstand auch in Studium und Lehre besser verankern. Im Rahmen der Professur für Internetpolitik von Jeanette Hofmann an der Freien Universität Berlin bietet die Projektgruppe daher in jedem Semester ein sozialwissenschaftliches Seminar für Masterstudierende zu unterschiedlichen Fragen der Internet- und Digitalisierungsforschung an.

Die Syllabi stellen wir an dieser Stelle zum Download bereit:

Ansprechpartner: Benjamin Bergemann

Veranstaltungsserie Network & Politics

Seit Anfang 2016 dient POLI als einer der Hauptorganisatoren einer neuen Berliner Veranstaltungsreihe zu Fragen der internationalen Internetpolitik. Unter dem Titel "Networks & Politics" bringt die Veranstaltungsreihe drei Mal im Jahr Interessenten aus Zivilgesellschaft und Wissenschaft zusammen, um in einer offenen Diskussionsrunde über Internet-relevante Themen mit aktuellem Bezug zu debattieren. Die Serie wird von Wikimedia Deutschland und ICAN Europe unterstützt.

Link zur Webseite von Networks & Politics

Ansprechpartnerin: Dr. Julia Pohle

Semantische Formierung

Um die semantische Dimension der Politikfeldentstehung nachvollziehen zu können, greifen wir auf das Instrumentarium des Text Mining zurück. Damit wird die Formierung von Kategorien, Bedeutungen und Diskursen nachvollzogen, z.B. die Formierung des Begriffes "Netzpolitik" selbst. Erste Ergebnisse dieser Forschung erscheinen demnächst in einem Beitrag zum Sammelband "Text Mining in den Sozialwissenschaften", in dessen Zentrum eine Annäherung an das gemeinsame Verständnis eines möglichen Politikfelds Internet steht. Dafür haben wir Methoden des Text Mining auf einen umfangreichen Zeitungskorpus (1994-2011) angewendet. Diese Untersuchung erfolgte in Kooperation mit dem BMBF-Projekt "Postdemokratie und Neoliberalismus".

Künftig werden wir semantische Netzwerke vor allem im Zeitvergleich untersuchen, um die Formierungsprozesse bei der Politikfeldentstehung zu verfolgen. Schließlich soll die Untersuchung auf weitere Text-Korpora ausgeweitet werden, z.B. auf Protokolle von Plenardebatten, Pressemitteilungen von Verbänden und netzpolitische Blogs.

Ansprechpartner: Maximilian Hösl

Workshop zur Politikfeldentstehung (abgeschlossen)

Am 25. November 2015 veranstalteten wir einen Workshop zum Thema "Entstehung von Politikfeldern — Vergleichende Perspektiven und Theoretisierung". Der Workshop schloß an die Diskussion und die systematische Auseinandersetzung mit Politikfeldentstehung an, die anlässlich der Jahrestagung der DVPW-Sektion "Policy-Analyse und Verwaltungswissenschaft" im Frühjahr 2014 angestoßen wurde. 

Der Workshop schlug zwei Wege ein: Zum einen berichteten Forscherinnen und Forscher zur Geschichte der Entstehung der Umwelt-, Verbraucherschutz-, Migrations-, Finanzmarkt- und Netzpolitik und erörterten Unterschiede und Gemeinsamkeiten dieser Historien. Zum anderen legten wir den Fokus auf die Theoretisierung der Politikfeldentstehung und luden Forscherinnen und Forscher ein, deren theoretischer Zugang einen besonderen Blickwinkel auf solche Entstehungsprozesse verspricht, z.B. aus der Policy- und Verwaltungsforschung, der Institutionentheorie, der Politisierungsforschung, der Diskursanalyse oder der relationalen Soziologie.

Die Proceedings des Workshops und eine Zusammenfassung der Diskussion wurden als WZB Discussion Paper publiziert.

Blitzumfrage: Internet-/Netzpolitik (abgeschlossen)

Zwischen Oktober 2013 und Mai 2014 haben wir eine Blitzumfrage durchgeführt, um ein Bild vom Politisierungsprozess der Netzpolitik zu gewinnen. Die Umfrage wurde über netzpolitische Blogs verbreitet. Dadurch konnten wir in Erfahrung bringen, wann und wie die Mitglieder der Blog-Communities politisiert wurden, d.h. wann und warum Fragen im Zusammenhang mit dem Internet ihrer Ansicht nach politisch wurden. Auf der Grundlage der Umfrageergebnisse konnten zum einen spezifische Zeitpunkte der Politisierung identifiziert, zum anderen eine erstaunliche Stabilität der zur Politisierung beitragenden Themen erkannt werden. Die Ergebnisse aus der Umfrage haben wir  im Mai 2014 auf der Konferenz re:publica in Berlin vorgestellt. Der Videomitschnitt des Vortrages ist online verfügbar.