Berliner Unternehmen und die Mitbestimmung

Jeder sechste Beschäftige und jeder vierte Auszubildende in Berlin ist bei einem der 50 größten Berliner Unternehmen angestellt. Im Vergleich: Die Personalausgaben dieser Unternehmen entsprechen der Hälfte der Gesamtausgaben des Berliner Senats (2017 betrug das Budget ca. 26,7 Mrd.). Diese 50 Unternehmen haben einen großen Einfluss auf die Beschäftigungsstrukturen in Berlin. Doch wie steht es dort um die Beschäftigung, die Mitbestimmung und die Ausbildung? Robert Scholz zeigt, dass Unternehmen mit starker paritätischer Mitbestimmung auch mehr Auszubildende unter Vertrag nehmen.

Die 50 größten Unternehmen stehen in Berlin für mehr als jeden sechsten Beschäftigten und für jeden vierten Auszubildenden in der Hauptstadt. Ihre Bedeutung für den Berliner Arbeitsmarkt ist immens: Die Ausgaben dieser Unternehmen für ihr Personal in Berlin betragen zusammen etwa halb so viel wie das Volumen des Berliner Senatshaushalt (2017 betrug das Budget ca. 26,7 Mrd.). Doch wie steht es um die Mitbestimmung in diesen Berliner Unternehmen?

Die Analyse von Robert Scholz, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Forschungsgruppe Globalisierung, Arbeit und Produktion, zeigt: Betriebsräte sind zwar allgemein verbreitet. Allerdings sind nur etwa sieben von zehn Beschäftigten durch Arbeitnehmervertreter*innen in den Aufsichtsräten repräsentiert. In zwei von fünf Unternehmen sind Arbeitnehmervertreter*innen im Aufsichtsrat nicht vertreten.

Das hat Folgen für Beschäftigtenzahl und die Ausbildungsquote. Robert Scholz zeigt, dass die 28 Unternehmen mit paritätischer Mitbestimmung im Verhältnis zu ihrer Anzahl überproportional viele Beschäftigte haben und einen durchschnittlich höheren Personalaufwand verbuchen, d.h. mehr Geld für Personal ausgeben als Unternehmen, in denen die Arbeitnehmer*innen nicht mitbestimmen. Hinzu kommt, dass sich die Unternehmen mit einer starken Verankerung der Mitbestimmung besonders intensiv in der betrieblichen Ausbildung engagieren. Das ist besonders relevant, weil die Ausbildungsquoten in den größten Berliner Betrieben gering sind.

 

Kes/18.3.20

Die Studie ist als Discussion Paper erschienen: 
Robert Scholz: Regionale Gestaltung von Arbeit: Beschäftigung, Mitbestimmung, Personalaufwand und Ausbildung in den 50 größten Unternehmenin Berlin (PDF)