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Im Unklaren gelassen

Wer kommuniziert, will verstanden werden. Das ist eine Grundregel für Kommunikator*innen. Für die EU-Kommission scheint sie nicht zu gelten – ihre Presseinformationen sind komplex und schwer verständlich.

Die öffentliche Kommunikation der Europäischen Kommission wird dem Anspruch auf Transparenz und Verständlichkeit nicht gerecht. Eine Textanalyse aller fast 45.000 Pressemitteilungen, die von der Kommission zwischen 1985 und 2020 herausgegeben wurden, zeigt vielmehr einen extrem technokratischen Kommunikationsstil, wie eine gerade veröffentlichte Studie von WZB-Forscher Christian Rauh von der Forschungsabteilung Global Governance deutlich macht.

Vergleicht man die Sprache der Presseveröffentlichungen der EU-Kommission mit dem Kommunikationsstil nationaler Exekutiven, öffentlichen politischen Medien und dem wissenschaftlichen Diskurs, so verwendet die Europäische Kommission eine sehr komplexe Sprache, Fachjargon und einen Nominalstil, der das politische Handeln eher verschleiert als erhellt.

Dieser Kommunikationsstil ist wahrscheinlich gut geeignet, um die traditionellen und hochspezialisierten Adressaten der Kommission im Ministerrat, im Europäischen Parlament oder in Interessengruppen anzusprechen. Die Bürger*innen werden so jedoch kaum erreicht. Das ist besonders in einer Zeit schwierig, in der sich die öffentliche Meinung über die EU polarisiert, viele europäische Bürger*innen europaskeptische Parteien wählen und Europa und seine Institutionen unter öffentlichem Druck stehen.

17.10.22, kes