Transatlantische Brückenprofessur
Abdication? Civil Society Leaders and the Defense of German Democracy
Demokratie gilt oft als sicher in wohlhabenden, lang etablierten Staaten. Jüngste Entwicklungen zeigen jedoch, dass selbst robuste Demokratien erodieren können, wenn zentrale gesellschaftliche Akteure demokratische Normen nicht verteidigen. Das Projekt untersucht Deutschland in einer kritischen Phase, in der demokratische Institutionen durch Polarisierung und antidemokratische Kräfte unter Druck stehen. Im Mittelpunkt stehen zivilgesellschaftliche Führungskräfte — Unternehmensvorstände, Gewerkschaftsleitungen, Universitätsleitungen, Kirchenvertreter und Medienverantwortliche. Diese Akteure verfügen über Ressourcen zur Verteidigung der Demokratie, können aber auch schweigen oder sich anpassen. Untersucht wird, wie sie auf antidemokratische Kräfte reagieren: durch Handeln oder Unterlassen. Die Forschung folgt dem Konzept eines „doppelten Transfers“: Deutschlands Erinnerungskultur und sektorübergreifende Kooperation bieten den USA Lehren zur demokratischen Selbstverteidigung; zugleich warnen US Erfahrungen vor Erosion, wenn zivilgesellschaftliche Akteure nicht koordiniert handeln. Mittels Interviews und Umfragen will das Projekt die politische Debatte bereichern und praktikable Strategien zur Stärkung demokratischer Resilienz entwickeln.
Transatlantische Brückenprofessur richtet sich an international anerkannte Forscher:innen in den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften, die aktuell in den USA in den Themenfeldern Demokratie, Grundrechte, Wissenschaftsfreiheit oder transatlantische Beziehungen arbeiten und ihre Forschung auch an deutschen Universitäten oder Forschungseinrichtungen fortsetzen möchten. Die Förderung ermöglicht jährliche Präsenzphasen in Deutschland, um neben der Forschung den Austausch zwischen Kolleg:innen zu stärken, im Sinne eines transatlantischen Brückenschlags.