Länderprofile
Deutschland hat sich innerhalb des letzten Jahrzehnts vom europäischen Sorgenkind zum europäischen Musterschüler entwickelt. Die Arbeitslosenquote ist auf einem historischen Tiefstand. Die Erwerbsbeteiligung älterer Personen steigt. Die Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse wächst. Anders als Deutschland tun sich die ehemaligen europäischen Vorbilder wie Dänemark oder Irland in Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise schwer. Gehörten schwach regulierte Arbeitsmärkte und hohe Flexibilität als Wahrzeichen dieser Länder noch bis vor kurzem zu den Eigenschaften, die gelobt und als wesentliche wirtschaftliche Erfolgsfaktoren ausgegeben wurden, so stellt sich die Situation heute anders dar. Damit ist klar, dass die Debatte um das richtige Maß der Arbeitsmarktflexibilität keineswegs beendet ist.
Noch immer ist unklar, wie sich der Ausbau flexibler Arbeitsverhältnisse auf Arbeitslosigkeit und Arbeitsmarktbeteiligung auswirkt, und ob bestimmte soziale Gruppen besonders betroffen sind. Daher zeichnen die vorliegenden Länderprofile für 20 europäische Staaten nach, wie sich atypische Beschäftigung im Vergleich zu regulären Beschäftigungsverhältnissen sowie Arbeitslosigkeit und Inaktivität entwickelt hat. Der Beobachtungszeitraum erstreckt sich von 1996 bis 2009. Mit befristeten Beschäftigungsverhältnissen, Soloselbstständigkeit sowie substanzieller und marginaler Teilzeitarbeit werden vier Arten von atypischer Beschäftigung unterschieden. Durch die gleichzeitige Betrachtung von atypischer Beschäftigung, Nicht-Erwerbstätigkeit und Normalarbeitsverhältnissen kann eingeschätzt werden, welche Folgen ein Ausbau an atypischen Beschäftigungsverhältnissen hat und inwiefern dieser dazu beitragen kann, unterschiedliche Bevölkerungsgruppen, wie z.B. Frauen, Jugendliche und Geringqualifizierte, in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Die aggregierten Daten der Europäischen Arbeitskräfteerhebung, die den Berechnungen zugrunde liegen, stehen ebenfalls zur Verfügung.
Die Länderprofile und das Discussion Paper sind im Rahmen des Projekts "Institutionelle Bedingungen des Zusammenhangs von atypischer Beschäftigung und sozialer Ungleichheit in Europa" entstanden.