Frau im Kreis
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Ein kleiner Vorteil für Frauen

Frauen haben bei Bewerbungen für Professuren genauso große Chancen wie Männer und erfahren auch in den Fächern, in denen sie sehr stark unterrepräsentiert sind, keine Diskriminierung. Das zeigt eine gerade erschienene Studie der WZB-Forscherinnen Heike Solga und Alessandra Rusconi gemeinsam mit Nicolai Netz (Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung). Die Forschenden haben untersucht, ob Professorinnen und Professoren einem Gender Bias unterliegen und weibliche oder männliche Bewerber bevorzugen. Das Ergebnis: Bei Neuberufungen auf W3-Professuren werden besonders qualifizierte Bewerberinnen genauso häufig eingeladen wie ihre vergleichbar qualifizierten Mitbewerber. Einen kleinen Vorteil für Frauen gibt es bei etwas weniger qualifizierten Bewerber*innen, unter ihnen werden Frauen häufiger eingeladen als vergleichbar qualifizierte Männer.

Neue Studien scheinen darauf hinzudeuten, dass Frauen häufiger auf Professuren berufen werden als Männer, wenn Frauen sich bewerben, was seltener passiert. Dieser Vorteil für Frauen könnte zum Teil auf die weitverbreitete Gender-Equality-Politik zurückzuführen sein, die eine Frauenquote in Auswahlkommissionen vorschreibt. Bisher wurde jedoch selten untersucht, ob männliche und weibliche Kommissionsmitglieder Bewerber*innen für Professuren unterschiedlich bewerten, d.h. ob es einen Gender-Bias gibt. Um diese Forschungslücke zu schließen, führten Heike Solga, Direktorin der Abteilung Ausbildung und Arbeitsmarkt, Alessandra Rusconi, wissenschaftliche Forschungskoordinatorin dieser Abteilung, und Nicolai Netz (Leiter der Nachwuchsgruppe Mobilität von Hochqualifizierten am DZHW) ein Vignettenexperiment mit deutschen Universitätsprofessor*innen aus verschiedenen Fachdisziplinen (Mathematik, Physik, Wirtschaftswissenschaften, Politik- und Sozialwissenschaften, Germanistik) durch.

In dem Experiment wurden diese Professor*innen gebeten, zu bewerten, wie qualifiziert hypothetische Bewerber*innen für eine W3-Professur sind und wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass diese Bewerber*innen zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werden. Das Ergebnis zeigt: Bewerberinnen haben, was die wahrgenommene Qualifikation und die Einladungswahrscheinlichkeit betrifft, einen kleinen Vorteil. Dabei gibt es keine Unterschiede zwischen den Professoren und Professorinnen, die sie bewerten. Allerdings gilt dieser Vorteil für Frauen bei der Einladung nicht für hochqualifizierte Bewerberinnen, sondern nur für Bewerberinnen mit geringen und mittelmäßigen wahrgenommenen Qualifikationen - auch hier gibt es keine Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Befragten.

16. März 2023, kes