Immer in Bewegung: Jutta Allmendinger zum 70.

Bis vor zwei Jahren war sie die Präsidentin unseres Hauses, und sie hat es wesentlich geprägt: die Soziologin und Bildungsforscherin Jutta Allmendinger. Doch ihre Stimme war und ist weit übers WZB hinaus zu vernehmen. Ein Dank und ein Glückwunsch zum runden Geburtstag am 26. September 2026 von Heike Solga, Direktorin der WZB-Abteilung Ausbildung und Arbeitsmarkt.

„Was macht Jutta Allmendinger eigentlich heute?“ Diese Frage begegnet mir immer wieder, wenn ich Kolleg*innen auf Konferenzen oder Veranstaltungen treffe. Die Antwort für alle, die sie kennen, ist simpel: Stillstand ist keine Option. Meine Antwort ist daher kurz: „Oh, ganz vieles!“

Blickt man heute auf das WZB, wirken viele Dinge selbstverständlich. Doch ein Großteil dieser Strukturen wurde erst in der Präsidentschaft von Jutta Allmendinger zwischen 2007 und 2024 etabliert: von den Nachwuchsgruppen über eine konsequent bilinguale Kommunikation zur Internationalisierung bis hin zur Einführung einer Ethikkommission. Sie gründete den Verein der „Freunde des WZB“, brachte den A.SK Social Science Award ans WZB und vernetzte Spitzenforschung mit der Kulturwelt (unter anderem im Visual Society Program mit der UdK). Mit Formaten wie „WZB wirkt“ oder „Junge Wissenschaft trifft Politik“ hat sie maßgeblich dazu beigetragen, dass Wissenschaft sichtbar wird und konkretere Bezüge zur Lebensrealität gewinnt.

Die Erwartung, sie könne mit 70 kürzertreten – sie hat ja so viel erreicht –, gilt für Jutta Allmendinger nicht. Ihr aktuelles Engagement und ihr Arbeitspensum sind und bleiben beeindruckend: Sie leitet die Wissenschaftliche Kommission Niedersachsen, ist Mitglied im Deutschen Ethikrat, in der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften und im Herausgeberrat der ZEIT. In den Wissenschaftsrat, ein wissenschaftspolitisches Beratungsgremium für Bund und Länder, wurde sie als erste Person gleich zweimal berufen – einmal als Wissenschaftlerin (2006 bis 2012) und seit 2025 als „Person des öffentlichen Lebens“ (informell im Rat gern als „Lebefrau“ bezeichnet). Von der Berliner Stadtreinigung über die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, den Universitätsrat der Universität Wien und den International Advisory Council der Bocconi University in Mailand bis hin zur Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, wo sie das Jahresthema „Familie“ für 2027/28 verantwortet, bleibt sie eine wichtige Impulsgeberin. In ihrem Podcast „Der Sprung ins kalte Wasser“, den sie gemeinsam mit Katja Kipping betreibt, wagt sie neue kommunikative Formate. Und trotz dieses Pensums nimmt sie sich die Zeit, junge Wissenschaftler*innen zu beraten, Gutachten zu schreiben und ihre Expertise in zahlreichen Vorträgen in die Gesellschaft zu bringen.

Zum Abschluss sei noch eine Challenge erwähnt, die sie sich selbst zum Geburtstag vorgenommen und erfolgreich gemeistert hat: die Überquerung des Lago Maggiore – rund vier Kilometer in unter zwei Stunden, brustschwimmend und ganz ohne Neopren-Auftrieb. Und wer glaubt, das war es, irrt erneut: Für nächstes Jahr ist das Ziel bereits gesetzt – die Strecke soll kraulend und noch schneller bewältigt werden.

Liebe Jutta, für all diese Projekte, die kommenden Herausforderungen und deine unbändige Neugier wünschen wir dir weiterhin viel Kraft, Energie und Freude. Alles Gute zum Geburtstag!

Heike Solga

24.09.26, PW