Prekär beschäftigt - trotz guter Ausbildung

Menschen ohne Berufsausbildung sind in Deutschland besonders oft prekär beschäftigt. Eine Ausbildung oder ein Studium schützen aber auch nicht vor prekärer Beschäftigung. Entscheidender ist, ob Menschen tatsächlich in ihrem erlernten Beruf arbeiten. Das zeigt eine WZB-Studie, die prekäre Beschäftigung für den Zeitraum von 1993 bis 2012 untersucht hat.

Entspricht die ausgeübte Tätigkeit nicht dem erlernten Beruf, sind zwischen 40 und 60 Prozent der Jobs prekär (siehe Grafik). Dass Arbeiten im erlernten Beruf so wichtig ist, gilt nicht nur für Facharbeiter, sondern auch für Akademiker.

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Prekäre Beschäftigung

Als prekär definiert die Studie Beschäftigungsverhältnisse mit Niedriglohn oder einem Jahreseinkommen unterhalb des Existenzminimums, ohne Sozialversicherungsansprüche und Kündigungsschutz. Außerdem fallen „einfache“ Arbeiten unter die Definition, die ein hohes Arbeitslosigkeitsrisiko oder große Gesundheitsrisiken bergen.

Die Befunde zeigen, welche Bedeutung formale Berufsabschlüsse für den deutschen Arbeitsmarkt haben. „Wir müssen es Menschen daher in jedem Alter ermöglichen, einen neuen Beruf zu erlernen oder zu studieren. Das ist vor allem angesichts des Fachkräftemangels wichtig“, sagt WZB-Forscher Stefan Stuth. Ein virtuelles Bildungskonto, das Erwerbstätigen nach einer bestimmten Anzahl an Arbeitsjahren eine Neuausbildung finanziert, könnte beim beruflichen Neustart helfen. Auch die Weiterentwicklung des Meister-Bafögs sei denkbar.Die Studie basiert auf Daten aus dem Sozio-Oekonomischen Panel. Analysiert wurde Erwerbsepisoden von  5.300 Männern und 4.838  Frauen in den Zehnjahresperioden 1993 bis 2002 sowie 2003 bis 2012.

Stefan Stuth, Brigitte Schels, Markus Promberger, Kerstin Jahn, Jutta Allmendinger: Prekarität in Deutschland?!, WZB Discussion Paper P 2018-004.