Der lange Schatten des Privaten: Versteckte Hürden bei der Gleichstellung
Obwohl formale Hürden wie der ungleiche Zugang zu Bildung und zum Arbeitsmarkt weitgehend beseitigt sind, gibt es weiterhin große Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern. Warum ist das so? Dieses Projekt untersucht, wie soziale Erwartungen, Stereotype und Interaktionsdynamiken in privaten Lebensbereichen Fortschritt bei der Gleichstellung verhindern. Aufbauend auf dem Konzept einer „stalled and uneven gender revolution“ (England 2010) untersucht das Projekt die versteckten Hürden, die zu dauerhaften Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt beitragen.
Das Projekt untersucht, wie geschlechtstypische Rollenerwartungen und Stereotype in Bezug auf Sorgearbeit und Partnerschaften zu voreingenommenen Bewertungen, eingeschränkten Wahlmöglichkeiten und einer ungleichen Verteilung von Chancen führen. Insbesondere identifiziert es Mechanismen wie antizipatorische Selbstselektion, normative Sanktionierung und rollenbasierte Bewertungsvorurteile, die sich auf die Ergebnisse auf dem Arbeitsmarkt auswirken. Aus einer intersektionalen Perspektive wird untersucht, wie sich diese Prozesse systematisch in Abhängigkeit von sozialer Schicht, Elternstatus und Migrationshintergrund unterscheiden.
Methodisch kombiniert das Projekt experimentelle Designs, um kausale Zusammenhänge geschlechtsspezifischer Erwartungen zu untersuchen, Umfragedaten, um deren Verbreitung zu erfassen, sowie qualitative Daten, um aufzuzeigen,wie diese Erwartungen im Alltag umgesetzt und ausgehandelt werden. Dieser multimethodische Ansatz ermöglicht es dem Projekt, Interaktionen auf der Mikroebene mit umfassenden Mustern sozialer Ungleichheit zu verknüpfen.
Erste Ergebnisse zeigen, dass Erwartungen an die familiären Rollen von Frauen und Männern sowie scheinbar private Verhaltensweisen zu geschlechtsspezifischen Bewertungen und Verhaltensweisen im Berufskontext führen, wodurch Fortschritte in Richtung Geschlechtergleichstellung ungleichmäßig und fragil bleiben.