trockener Savannenboden mit kahlem Baum im Hintergrund
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Klimawandel und Rückkehrabsichten

Kehren Menschen ihrer Heimat dauerhaft den Rücken, wenn sich dort klimabedingte Naturkatastrophen häufen? Die Vermutung liegt nahe – Untersuchungen dazu gab es bislang aber nicht. Die WZB-Forschenden Daniel Meierrieks und Irene Pañeda-Fernández haben westafrikanische Zuwanderinnen und Zuwanderer in Deutschland nach ihren Zukunftsplänen befragt.  

Es gibt bislang kaum Informationen über Migranten aus Westafrika und ihre Ansichten darüber, ob sie in Deutschland bleiben oder irgendwann in ihre Heimatländer zurückkehren wollen. Zudem gibt es kaum Forschung dazu, wie sich die sich verschlechternden klimatischen Bedingungen in Subsahara-Afrika auf diese Rückkehrentscheidungen auswirken. Für eine neue Studie analysierten Daniel Meierrieks und Irene Pañeda-Fernández von der Forschungsabteilung Migration, Integration, Transnationalisierung Umfragedaten der ersten Generation von westafrikanischen Migranten in Deutschland, um festzustellen, ob der Klimawandel ihre Entscheidung beeinflusst, in ihr Heimatland zurückzukehren.  

Die Ergebnisse 

  • Die Studie zeigt, dass Migration nicht unbedingt eine endgültige Entscheidung ist. Sie umfasst sowohl temporäre Migration (z. B. zirkuläre Migration) als auch die Rückkehr in die Heimatländer. Während die meisten Befragten nicht beabsichtigen, in naher Zukunft in ihr Herkunftsland zurückzukommen, äußert etwa ein Drittel den Wunsch, ihre Zeit irgendwann zwischen ihrem Herkunftsland und Deutschland aufzuteilen. 

  • Ein Grund, warum westafrikanische Migranten der ersten Generation in Deutschland ihre Rückwanderungspläne ändern könnten, sind die negativen Auswirkungen des Klimawandels in ihren Heimatländern. Die Forscher finden jedoch kaum Anhaltspunkte dafür, dass diese Migrant*innen auf die klimatischen Bedingungen in ihren Herkunftsländern reagieren. Stattdessen sind wirtschaftliche Motive ausschlaggebend. Wenn sie bessere Beschäftigungsmöglichkeiten im Heimatland erwarten, verstärkt dies ihren Wunsch nach Rückkehr, während bessere wirtschaftliche Aussichten in Deutschland den Wunsch verringern.

  • Die Ergebnisse bedeuten nicht, dass die klimatischen Bedingungen für die Rückwanderung unbedeutend sind. So können beispielsweise negative Klimaereignisse die wirtschaftlichen Aussichten in den Herkunftsländern verschlechtern und dadurch die Rückkehrabsichten indirekt über entgangene wirtschaftliche Chancen beeinflussen, eine etwaige Rückkehr beispielsweise weniger attraktiv machen. Die Untersuchung solcher Zusammenhänge – auch mittels experimenteller Ansätze – könnte ein Feld für zukünftige Forschung sein. 

Die Daten  

Im Rahmen des TRANSMIT-Projekts führten die Forschenden die erste repräsentative Umfrage unter westafrikanischen Einwanderern der ersten Generation in Deutschland durch. Über 1.000 Personen wurden für die Studie „Do Climate Conditions in Origin Shape Return Migration Intentions? Evidence From West Africans in Germany” befragt. Etwa 69 Prozent der Befragten waren Männer und 31 Prozent Frauen. 83 Prozent möchten in naher Zukunft in Deutschland bleiben; 4 Prozent planen, in den nächsten 5 Jahren zurückzukehren; 35 Prozent planen, ihre Zeit künftig zwischen ihrem Herkunftsland und Deutschland aufzuteilen (zirkuläre Migration). 

Politische Implikationen 

Das Thema Rückwanderung ist sowohl für die Aufnahmeländer als auch für die Herkunftsländer von Bedeutung. Während Aufnahmeländer beispielsweise talentierte Migranten halten möchten, könnten Herkunftsländer daran interessiert sein, dieselben Talente zurück in die Heimat zu holen. Vorläufig deuten die empirischen Ergebnisse darauf hin, dass politische Entscheidungsträger bei der Konzeption entsprechender politischer Initiativen gut beraten sind, den Einfluss sozioökonomischer Perspektiven in Aufnahmeländern und Herkunftsländern stärker zu berücksichtigen, anstatt sich auf Klimabedingungen zu konzentrieren. 

 

11.05.26 / kes