Transferprojekte "WZB wirkt": Gewinner und Gewinnerinnen

Der Transfer der sozialwissenschaftlichen Forschungserkenntnisse des WZB in die Gesellschaft hinein ist ein Kernanliegen der Freundinnen und Freunde des WZB – alle Formen der Vermittlung von Wissenschaft über die Grenzen der akademischen Disziplinen hinaus ebenso wie die Aufnahme von gesellschaftlichen Themen durch die Wissenschaft. Zur Stärkung des Transfers lobt der Förderverein jährlich das Förderprojekt „WZB wirkt“ innerhalb des WZB aus, um Projekte zum gesellschaftlichen Wissenstransfer zu unterstützen. Der Transferaspekt wurde bereits in der Auswahlsitzung sichtbar: zum einen waren in der Kommission WZB-Kolleginnen und -Kollegen aus verschiedenen Abteilungen, Freundesmitglieder und die derzeitige Journalistin in Residence vertreten und konnten ihre unterschiedlichen Perspektiven austauschen; zum anderen waren alle Projektantragstellenden gleichzeitig anwesend und verbanden sich daher auch abteilungs- und disziplinenübergreifend mit einander.

Gewinnerinnen und Gewinner 2025

Lena Hipp, Forschungsprofessorin der Gruppe Arbeit, Familie und soziale Ungleichheit, und Stefan Munnes, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Forschungsprofessur Arbeit, Familie und soziale Ungleichheit, erhalten für ihr Projekt „Wissenschaft trifft Praxis: Wissenschaft und Müllabfuhr im Dialog“ die Transferförderung „WZB Wirkt“ der Freunde des WZB e.V.

Das Projekt soll im Rahmen einer Kooperation mit der Berliner Stadtreinigung (BSR) deren Daten zu Abfall und Sperrmüll in öffentlichen Räumen und zur darauf bezogenen Einsatzplanung von Müllwerkern und Platzierung von Abfalleimern sammeln und in Beziehung setzen zu sozioökonomischen Strukturen in 97 Berliner Ortsteilen. Ziel ist es zum einen, mit sozialwissenschaftlichen Methoden lokale Einsichten zu Gründen und Auswirkungen von Verschmutzung und Vermüllung in Berlin zu gewinnen; zum anderen die Bedingungen für einen erfolgreichen Wissens- und Datentransfer mit der Praxis zu identifizieren.
Die aus WZB-Forschenden und Mitgliedern des Freundeskreises bestehende Kommission sah im Projekt von Lena Hipp und Stefan Munnes große Potenziale insbesondere bei der Datenerhebung und -bearbeitung, die auch für weitere Kooperationen mit Berliner Einrichtungen Vorbild sein könnten. Daten seien die unverzichtbare Grundlage sozialwissenschaftlicher Forschung, und hier gebe es in Deutschland noch einen großen Nachholbedarf.

Lara Bister und Emily Frank, Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen der Forschungsgruppe Gesundheit und soziale Ungleichheit, erhalten für ihr Projekt “WZB in your Kiez – Social sciences meet Berlin urban culture” die Transferförderung „WZB Wirkt“ der Freunde des WZB e.V.

Die Wissenschaftlerinnen planen eine Veranstaltungsserie zur Vermittlung sozialwissenschaftlicher Forschungserkenntnisse im berlintypischen Ambiente eines „Spätis“. Jede Veranstaltung besteht aus drei Elementen: Ein wissenschaftlicher Kurzvortrag in einem Berliner Späti wird gefolgt von einer Stadtführung und einem abschließenden Diskussionsabend in einem weiteren Späti. Mögliche Schwerpunktthemen sind Obdachlosigkeit, Migration, Gentrifizierung, Kalter Krieg und Rassismus.
Die aus WZB-Forschenden und Mitgliedern des Freundeskreises bestehende Kommission zeigte sich beeindruckt von der hohen Motivation der beiden Forscherinnen, die sozialwissenschaftliche Forschung zu gesellschaftlichen Problemen „im Feld“ zu diskutieren. Das Projekt sei geradezu idealtypisch für den Transfer von Forschungsergebnissen in die Gesellschaft, der zentrales Ziel des Vereins der Freunde des WZB sei.


Gewinnerinnen und Gewinner 2024

Der Transfer sozialwissenschaftlicher Forschungserkenntnisse für die Gesellschaft gehört zu den Kernanliegen der Freundinnen und Freunde des WZB. So schrieben sie 2024 zum dritten Mal eine die Projektförderung „WZB Wirkt“ aus. Das Gewinnerprojekt 2024 war „Wirksam gegen Rechtsaußen. Evidenzbasierte Strategien für den Umgang mit der extremen Rechten“ von Christin Jänicke, Hans Jonas Gunzelmann und Teresa Völker vom Zentrum für Zivilgesellschaftsforschung. Es soll wissenschaftliche Evidenz und zivilgesellschaftliche Erfahrungen mit praktischen Handlungsempfehlungen für zivilgesellschaftliche Akteure verbinden. In Workshops sollen zivilgesellschaftliche Akteur*innen unterschiedlicher gemeinnütziger Organisationen in ihrem Umgang mit der extremen Rechten gestärkt und ihre Handlungsfähigkeit erhöht werden. Eine gemeinsam erarbeitete Handreichung soll im Anschluss interessierten Vereinen und Einrichtungen zur Verfügung gestellt werden.

Den Bericht zum Workshop im November 2024 kann man hier nachlesen.

Den im Rahmen dieses Projekts entstandenen Kurzfilm können Sie hier anschauen.


Gewinnerinnen und Gewinner 2023

Lena Hipp und Sandra Leumann: „Weil mein Schatz ein Feuerwehrmann ist?! Filmische Umsetzung eines Forschungsprojektes zu Auswirkungen geschlechtsuntypischer Berufswahl auf Datingchancen“

Lena Hipp und Sandra Leumann von der Forschungsgruppe Arbeit und Fürsorge konnten durch die Projektförderung ihren bereits existierenden Pilotfilm zum Thema „Datingchancen von Männern und Frauen in geschlechtsuntypischen Berufen“ durch ihre Forschungsergebnisse erweitern. Da sich die 18-prozentigen Lohnlücke zwischen Männern und Frauen zu einem maßgeblichen Teil mit ihrer geschlechtertypischen Berufswahl erklären lässt, stellte sich die Frage, warum sich Frauen trotz aller monetären Nachteile immer noch verstärkt für bestimmte Berufe entscheiden. Eine der Antworten, so die Erkenntnis: Geschlechtsuntypische Berufe wirken sich offenbar negativ auf dem Dating- und Partnermarkt aus. Der Film soll eine breite Öffentlichkeit ansprechen und sozialwissenschaftliche Forschungsmethoden am greifbaren Beispiel der Datingwelt erklären. Die Jury lobte insbesondere den Transfercharakter, der neben den Inhalten auch die innovative sozialwissenschaftliche Methodik vermittelt und an Alltagserfahrungen insbesondere der jüngeren Generation ansetzt.

Den Kurzfilm "... weil mein Schatz ein Feuerwehrmann ist?!" kann man hier ansehen.

Julia Stier: Workshops zu Migrations- und Integrationsforschung an Berliner Schulen

Julia Stier aus der Abteilung Migration, Integration, Transnationalisierung plante mit zwei Partnerinnen der NGO Migration Matters ein Kooperationsprojekt, das Schülerinnen und Schülern in Workshops über evidenzbasierte Forschungsergebnisse zum Thema Migration und Integration und Vielfalt informiert und eine differenzierte Diskussionskultur etabliert. Dabei können Schüler, Schülerinnen und Lehrerkräfte selbst als Expert*innen ihre Erfahrungen und Sichtweisen einbringen. Die Jury hob die klare Bedarfsorientierung des Projektes durch Inkorporation eines in Lehrplänen oft nicht vorkommenden Themas hervor ebenso wie die Tatsache, dass dem Erkenntnistransfer in beiden Richtungen Raum gegeben werde.

Jonas Ferdinand: Preisverleihung: Gamejam Zukunft der Arbeit - Transfer zwischen Wissenschaft, Gesellschaft und Digitalindustrie

Jonas Ferdinand, Stipendiat des Promotionskollegs "Gute Arbeit in einer transformativen Welt" wird durch die Unterstützung der Freunde ein Preisgeld für einen Gamejam ausloben, bei dem interdisziplinäre Teams aus Spielentwickler*innen und Wissenschaftler*innen den Prototyp eine Spiels zur Zukunft der Arbeit programmieren. Das Gewinner-Spiel wird als kommunikatives Medium sozialwissenschaftliche Erkenntnisse zur Arbeitswelt vermitteln und mit der Kreativität der Spielentwickler*innen Visionen für zukünftige Arbeitswelten aufzeigen. Die Jury sah durch die Nutzbarmachung der digitalen Gaming-Welt eine zukunftsgerichtete Methode, mit der eine jüngere und diverse Zielgruppe angesprochen werden kann; auch bewertete sie positiv, dass die Gamer ihre eigene oftmals prekäre Arbeitssituation kritisch-konstruktiv in der Spielkonzeption sichtbar machen könnten.


Gewinnerinnen und Gewinner 2022

Die Freundinnen und Freunde des WZB schrieben Ende 2021 40.000 Euro aus ihren Vereins-Beitragseinnahmen für die Förderung von vier Transferprojekten aus dem WZB aus. Fast ein Dutzend Anträge gingen ein und beeindruckten mit ihrer großen Bandbreite, Kreativität und Leidenschaft. Eine gut gemischte Kommission, bestehend aus Forschenden und Wissenschaftsunterstützenden des WZB, Freundinnen und Freunden des WZB und einem Journalist in Residence des Hauses, wählte im Februar 2022 drei Anträge zur Förderung aus:

Jan Wetzel, Silvio Suckow et al.: „In guter Gesellschaft – Soziale Zusammenhänge verstehen und mitgestalten“. Während die Erklärung von naturwissenschaftlichen Fragen in den sozialen Medien gerade seit Beginn der Pandemie in Videoformaten immer mehr Verbreitung fand, sind die Sozialwissenschaften nach wie vor weniger sichtbar. Jan Wetzel, Silvio Suckow und ihre Kollegen planen die Entwicklung eines zwanzigminütigen Videoformats, das die Zuschauer mitnimmt auf Spaziergänge durch Alltagssituationen und über deren gesellschaftlichen Implikationen und sozialwissenschaftlichen Erklärungsansätze aufklärt.

Lena Ulbricht: „‘Festifuneral’ – binäre Denk- und Ordnungsstrukturen in Wissenschaft, Politik und Kunst überwinden“. Lena Ulbricht plant mit ihrer Kollegin Thamy Pogrebinschi, Vertreter:innen des Karneval der Kulturen Berlin und anderen Einrichtungen ein innovatives zweitägiges Festival in Berlin, das die Verschmelzung von Wahrnehmungs- und Ausdrucksmöglichkeiten aus Wissenschaft, Politik, Kunst und sozialen Bewegungen präsentieren und in Workshops ausloten will.

Sarah George und Theresa Pfaff: „Gestaltung einer inklusiven Verkehrswende. Parkraumbewirtschaftung als Maßnahme gegen den Klimawandel im Experimentierraum Kreuzberg“. Sarah George und Theresa Pfaff tragen die Ergebnisse der langjährigen Forschungen und Befragungen ihrer Forschungsgruppe an die Orte, an denen sie entstanden. Mitten im Kreuzberger Kiez sollen Workshops und Veranstaltungen zu Parkraumbewirtschaftung und Verkehrsplanung stattfinden; insbesondere sollen Gewerbetreibende, Menschen mit Behinderung und Menschen mit Migrationshintergrund, die im politischen Gestaltungsprozess selten eingebunden sind, eingeladen werden.

Das Projekt von Tommaso Virgili und Ruud Koopmans für die WZB-Seminarreihe "Liberalism and Islam in contemporary society" wurde als gesellschaftspolitisch äußerst relevant lobend hervorgehoben. Es wird in anderer Form am WZB realisiert werden.

Damit erwies sich die Ausschreibung als voller Erfolg. Der große Rücklauf und die kreativen Anträge machten das mehr als deutlich. Auch das Auswahlgespräch an sich war ein allerbestes Beispiel für Transfer und Partizipation und ein lebendiger Beweis für die Freunde und Freundinnen, dass ihre großzügigen jährlichen Spendenbeiträge gut ausgegeben sind. Auch für das nächste Jahr ist eine solche Ausschreibung geplant.